Restaurierung abgeschlossen | Bockwindmühle Klockenhagen | Mecklenburg-Vorpommern

Hallo liebe Mühlenfreunde,

am 26.11.2020 fand die Grundeinweisung des Museumspersonals der Bockmühle im Freilichtmuseum Klockenhagen (Mecklenburg-Vorpommern) statt. Sie wurde durch Ulrich Blümner, Zimmermeister und Mühlenbauer aus Bismark / Altmark, dessen Firma die Restaurierung der Mühle durchgeführt hat, und Rüdiger Hagen, Mühlenbautechniker aus Wedemark, der die Planung des Wiederaufbaus vorgenommen hat, ausgeführt.

Zur Mühle selbst: Sie ist nach einer Inschrift im Hammerbalken 1795 für den Gutsherrn Hartwig von Flotow der Quellenlage nach in Leist bei Mesekenhagen in unmittelbarer Ostseenähe erbaut worden und wurde dort einschließlich Gehöft in der berüchtigten Sturmflut von 1871 zerstört. Aus den Mühlenteilen und Teilen des Gehöfts errichtete man etwa 10 Jahre später eine Bockmühle in Groß Ernsthof nahe Wolgast. Dort war die Mühle bis in die 1930er Jahre unter der Müllerfamilie Rochow in Betrieb und wurde Ende der 1970er Jahre in das Museum Klockenhagen versetzt, der Aufbau dort aber erst nach 1980 beendet. Allerdings diente die Mühle dort nur als ruhendes, von außen zu betrachtendes Anschauungsobjekt. Die Mühlentechnik im Inneren war bis auf Flügelwelle und Kammrad nicht aufgebaut worden, bzw. lag in den verbliebenen Einzelteilen lose in der Mühle und einem benachbarten Museumsgehöft herum. Jetzt war das Ziel, wieder eine für Besucher in Funktion erlebbare Mühle zu erschaffen. Also wurde die Technik originalgetreu und unter Verwendung noch verwertbarer Originalsubstanz rekonstruiert. Die Technik wurde nicht auf einen vermeindlichen "Urzustand" mit einem Mahlgang zurückrestauriert, sondern der letzte Betriebszustand ist wieder hergestellt worden.

Nun besitzt die Mühle wieder zwei Mahlgänge mit Antrieb durch eine Königsspindel (in ähnlicher Anordnung wie übrigens auch in etlichen Bockmühlen im Rheinland), einen Sechskantsichter und die zuletzt zur Unterbringung eines Spitzgangs vorhandene Verlängerung des Mühlenkastens an der Steertwand um ca. 1 Meter. Interessanter Weise besitzen die beiden Gänge, nach Vorbildfotos rekonstruiert, achteckige Bütten.
Weiterhin ist es ungewöhnlich für Bockmühlen, dass sich der Aufzug im Inneren der Mühle befindet, was durch die Verlängerung des Mühlenkastens begründet ist. Beide Mahlgänge sind betriebsfähig und auch für mich war es eine Freude, im Auftrag der Firma Blümner einen Sechskantsichter nach "englischer Bauart" für die Mühle fertigen zu dürfen, der ebenso betriebsfähig ist.
Der Spitzgang an der Steertwand ist in seiner Aufstellung als ruhendes Schauobjekt vorgesehen. Damit können in der Museumsmühle die Arbeitsschritte der Müllerei (Getreidereinigen, Mahlen, Sichten, Mehlmischen) dargestellt werden.
Am 26.11.2020 trug die Mühle nach über 80-jährigem Stillstand wieder Segel.
Die Mühle ist somit momentan die einzige Pommersche Bockmühle, die vollständig und funktionsfähig ist!

Viele Grüße und Glück zu!

Rüdiger Hagen, 27.11.2020