Morgens um 9 Uhr begannen zwei Mitarbeiter der Mühlenbaufirma Pätzmann aus Winsen/Luhe mit der Montage der neuen Flügel und wurden ab 10 Uhr von Mühlenbautechniker Rüdiger Hagen aus der Wedemark unterstützt.
Gegen 14 Uhr war der letzte der vier Flügel montiert. Das ganze Geschehen wurde sogar durch ein Fernsehteam des NDR festgehalten. Einzig das „Sauwetter“ aus Kälte und Regen erschwerte die Arbeiten und sorgte dafür, dass sich der Hubsteiger auf dem Mühlengelände festfuhr.
Die neuen Flügel sind aus Stahl gefertigt. Sie lehnen sich dabei eher an die originalen Segelgatterflügel aus der Betriebszeit der Mühle an als die bis 2025 vorhandenen hölzernen Vorgänger. Auch in Zukunft werden sie mit einem Elektromotor in Bewegung gesetzt. Das mag manchem Mühlenfreund kritikwürdig erscheinen, ist aber aus der jüngeren Geschichte der Mühle gewachsen.
Die 1883 als Turmholländer erbaute Mühle verlor nämlich 1981 durch einen Blitzeinschlag ihre Kappe und brannte oben völlig aus. Beim Wiederaufbau übernahm man Kappe, Flügelwelle und Kammrad von der Windmühle in Springe-Benigsen. Da die neue Kappe aus Sicherheitsgründen ohne drehbare Funktion auf den Turm gesetzt wurde, besitzen die Flügel nicht die originale Länge von Betriebsflügeln und benötigen den Motorantrieb.
Nach dem Tod des letzten Müllers Karl Lampe und seiner Witwe Heide Lampe, die eng mit der Familie Hagen befreundet war, gründete sich ein Mühlenverein. Ziel ist es, die Mühle museal zu erhalten.
Für den jungen Verein, dem auch zwei ehemalige Müllermeister der stillgelegten Wesermühle in Hameln angehören, war die Flügelmontage ein bedeutendes Ereignis, dem viele Menschen beiwohnten. Die Tünderner Mühle ist die letzte Windmühle im Kreis Hameln-Pyrmont, die noch ihre Flügel und ihr komplettes technisches Innenleben besitzt. Die Inneneinrichtung ist mit Maschinen aus der Bauzeit und Ergänzungen der 1920er und 30er Jahre – inklusive Originalmotor des Elektro-Hilfsantriebs – extrem wertvoll.
Mit den neuen Flügeln wird die Mühle nun hoffentlich wieder ein gut besuchter Lernort für Schulklassen und Erwachsene aus der ganzen Umgebung sein.
Glück zu!
Bericht von Rüdiger Hagen, Müllerei- u. Mühlenbautechniker, Wedemark