Die Arbeit des RMDZ

Mühlen – Zeugnisse einer langen Geschichte der Energienutzung

Die Entwicklungsgeschichte der Mühle beginnt mit dem Anbau von Getreide. Damit verbunden war die Notwendigkeit, das Getreide für die Nahrungsgewinnung zu zerkleinern. Mit Muskelkraft bewegte Steine zerrieben das Korn. Ein technischer Meilenstein war dann die Verwendung der Wasserkraft um eine Mühle anzutreiben.

Die Mühle mit vertikalem Wasserrad und einem Winkelgetriebe, wie sie der römische Baumeister Vitruv im 1. Jahrhundert v. Chr. beschrieb, setzte Maßstäbe in der Mühlentechnik. Das horizontale Wasserrad, Standard im Mittelmeerraum und im Orient, gab das Vorbild für die Entwicklung der modernen Wasserturbinen. Neben der Getreidemühle entstanden mehr als 100 Arten von Werkmühlen, ohne die eine Industrialisierung niemals stattgefunden hätte.

In der Zeit der Romantik wurden Wasser- und Windmühlen als Zeugnisse einer zum Untergang verurteilten heilen Welt angesehen. „Die klappernde Mühle am rauschenden Bach“ ist auch heute noch Sinnbild einer „guten alten Zeit“. Aber die alten Mühlen sind mehr als ästhetische Relikte. Ihre Erforschung ergibt auch wertvolle Erkenntnisse für die aktuelle Debatte um regenerative und dezentrale Energieerzeugung.

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Gemälde einer Wassermühle. Meindert Hobbema (1638-1709). Rijksmuseum Amsterdam.

Der Name ist Programm

Das Rheinische Mühlen-Dokumentationszentrum e.V. (RMDZ) hat sich zur Aufgabe gemacht, die lange Geschichte der Mühlen zu dokumentieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Als eingetragener gemeinnütziger Verein unterstützt der Verein die Forschung und Wissenschaft zu den Mühlen, die Molinologie, und fördert die Erhaltung des Wissens um die Mühlentechnik und -geschichte.

Mit seiner Arbeit fördert das RMDZ die Erhaltung und Wertschätzung von Mühlen als noch in der Landschaft sichtbare Elemente eines bedeutenden kulturellen Erbes.

Das Forscherteam dokumentiert die Mühlen anhand der baulichen und maschinellen Artefakte in der Landschaft und anhand der gedruckten und ungedruckten Quellen in Bibliotheken und Archiven.

Das Hauptarbeitsgebiet des RMDZ ist das Land Nordrhein-Westfalen. Allein im Rheinland zählte man zur Mitte des 19. Jahrhunderts 3336 Wassermühlen und 265 Windmühlen.

Der Verein ist darüber hinaus aber auch auf nationaler und internationaler Ebene tätig.

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Mitarbeiter bei der VOD an der Horremer Mühle, Foto: © Gabriele Mohr, 2015.

Arbeitsfelder

• Dokumentationsarchiv 
• Wissensrepäsentation
• Publikation
• Kontrolliertes Vokabular
• Mühlenstandorte
• Wissensvermittlung
• Kurse
• Arbeitsberichte

Dokumentationsregeln

Foto-Dokumentation:
Die Foto-Dokumentation (FD) ist die Dokumentationsform des RMDZ, die ein Mühlenobjekt fotografisch erfasst. Die Aufnahme erfolgt von Außen nach Innen.

Vor-Ort-Dokumentation:
Die Vor-Ort-Dokumentation (VOD) ist die Dokumentationsform des RMDZ, die ein Mühlenobjekt in der Landschaft erfasst. 

Historische Dokumentation:
Die historische Dokumentation (HD) ist die Dokumentationsform des RMDZ, die ungedruckte und gedruckte Quellen zu einem Mühlenobjekt oder zu einem Gebiet von Mühlen auswertet und erfasst. Sie umfasst die Literturauswertung und die Auswertung von Archivalien.

Technische Dokumentation:
Die technische Dokumentation (TD) ist die Dokumentationsform des RMDZ, die die aktuelle Technik eines Mühlenobjektes erfasst. Ggf. wird eine Rekonstruktion des Objektes angefertigt.

Der Vorstand des RMDZ e.V.

Der Vereinsvorstand übernimmt die Aufgaben eines Geschäftsführers im Verein. Zu den Geschäftsführungsaufgaben eines Vorstands zählen alle Handlungen, die der Vorstand für den Verein vornimmt. Dabei lassen sich die Aufgabenbereiche in zwei große Gruppen aufteilen: die Vertretung des Vereins nach außen (wie Vertragsabschlüsse, Anmieten von Räumen etc.) und die Geschäftsführung im eigentlichen Sinn (z. B. Verwaltung der Mitglieder, Buchführung usw.).

Gabriele Mohr 

Vorsitzende

Studium der Archiv- und Informationswissenschaften an der Franz-Mehring Archivschule in Potsdam sowie an der Humboldt Universität zu Berlin. Seit 1999 ehrenamtlich in der Mühlenforschung tätig. 2008-2014 Mitarbeit beim Aufbau des Museums „Vom Korn zum Brot“ mit Lehrbäckerei „Backaktiv“ auf der Gymnicher Mühle in Erftstadt. Seit Dezember 2019 Vorsitzende des neu geründeten Regionalverbandes Ruhr-West des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V.

Dr. Elisabeth Zenses

 Stellvertretende Vorsitzende

Geboren 1947 in Eslohe/Hochsauerland; Studium der Geographie und Biologie an der Albertus Magnus Universität zu Köln. Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Geographischen Institut der Universität mit dem Schwerpunkt Geomorphologie/Geoökologie; praktische Erfahrungen und Fortbildung zum Umwelt- und Naturschutz bei der Gemeinde Nettersheim in der Eifel. Von 1987-2010 Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle des Zweckverbandes Naturpark Rheinland; Planung, Erarbeitung und Umsetzung von Ausstellungen und Informationsmaterial sowie Bewertung naturparkbezogener Planungen. Seit 2008 ehrenamtliche Tätigkeit in verschiedenen regionalen Gremien zur Wahrung von Natur, Landschaft und Kulturerbe wie Erarbeitung historischer Wanderwege in Rhein-Erft-Kreis, inhaltliche und pädagogische Konzipierung und wissenschaftliche Umsetzung des Museums „Vom Korn zum Brot“ und der Lehrbäckerei „Backaktiv" auf der Gymnicher Mühle, Koordination und Erfassung des erhaltenen Kulturgutes Mühlen für die Datenbank des Rheinischen Mühlen-Dokumentationszentrums.

Dr. phil. Ralf Kreiner

 Stellvertretender Vorsitzender

Geboren 1960 in Recklinghausen; studierte an der RWTH Aachen die Fächer Mittlere und Neuere Geschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte und Philosophie; promovierte 1995 zum Dr. Phil. Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Mittlere Geschichte der RWTH Aachen; Kenner der Geschichte der Mühlen und des Wasserbaus. Seit 2003 freiberufliches Historikerbüro in Aachen mit dem Schwerpunkt Technik- und Kulturgeschichte; Erstellung von Gutachten zum Denkmalwert historischer Mühlen und Wasserbauten; zudem Wissenschaftlicher Beirat der Frontinus-Gesellschaft e.V.. Seit 2006 tätig für das Rheinische Mühlen-Dokumentationszentrum mit den Schwerpunkten Konzepte zu Ausstellungen; Organisation von Symposien und Exkursionen, Betreuung des Museums "Vom Korn zum Brot", Dokumentation historischer Querbauwerke, Aufnahme von Mühlen im Rheinland. Aktuell tätig in der archäologisch-historischen Forschung zu Mühlen in der Türkei und auf Kreta und bei den Projekten KulturLandschaftDigital und WortNetzKultur des Landschaftsverbandes Rheinland.

Philipp Schwinges

 Kassenwart

Geboren 1977; kaufmännische Ausbildung; beruflich tätig in der Personalvermittlung. Schwerpunkt der ehrenamtlichen Tätigkeit: Wasserkraft an alten Wassermühlen-Standorten.